Installation view, ‘Between lips and forehead’, SIC! Elephanthouse, Lucern, (CH), 2016

‘Cherries_2’, acrylic on nettel, 208 x 150 cm, 2016, ‘Cherries_3’, acrylic on nettel, 152 x 77 cm, 2016, ‘Zoo’, acrylic on nettel, 208 x 300 cm, 2015,

‘Flower_1’, acrylic on nettel, 204 x 150 cm, 2015, ‘Cherries and moons’, acrylic on nettel, 200 x 150 cm, 2015, ‘Yellow banana’, acrylic on nettel, 212 x 151 cm, 2016

BETWEEN LIPS ANF FOREHEAD

Im weichen Material auf dem Boden des Ausstellungsraumes scheint immer noch eine ur- sprüngliche Form, der Wald, die Anhäufung von Bäumen oder Baumfragmenten verwahrt. Fragmentarische und organische Formen greift S. Domagala auch in ihren Malereien auf. Zarte Blätter, pralle Kirschen, einfache Formen wie Kreis und Linie bestimmen die Bildsprache der großformatigen Kompositionen und werden durch Wiederholung und Gliedrung zu Gruppen, Haufen und Reihen verdichtet. Es sind innere, natürlichen Wachstumsprozessen nachempfun- dene Motive, die seriell vertieft und weiterentwickelt werden.

“Keine Umwege machen. Einfach heißt arm, nicht viel. Einfach ist leicht, aber es fällt nicht leicht einfach zu sein. Die Schwierigkeit des Einfachen besteht darin, dass es Leichtigkeit verlangt.”
In der einfachen symbolhaften Bildsprache und den gestischen Formulierungen sucht S. Doma- gala nach der Leichtigkeit wie sie der Philosoph Hannes Böhringer in seinem Essay beschreibt. Die Suche nach dem Einfachen ist zentrales Anliegen vieler zeitgenössischer Künster/-innen und nicht leicht zu erreichen. Das Einfache ist immer in Gefahr, zu einfach zu sein und dadurch banal zu werden oder im Schweren zu verschwinden.

Überflüssiges weglassen, das Naheliegende verwenden, schnell und unmittelbar arbeiten, sind Rüstzeug der Künstlerin. Roh belassenes Nesseltuch, ein Baumwollstoff in Leinwandbindung, dient als Bildträger. Der Verzicht auf aufwändiges Aufziehen auf Keilrahmen unterstreicht die Unmittelbarkeit von Domagalas Arbeitsweise und verweist auf die urspünglich schmückende, verhüllende und einkleidende Funktion von Textilien. Die Verwendung von Bildtüchern zur Auskleidung und Verwandlung von Räumen hat im Kunsthandwerk eine lange Tradition, wie auch die gedankliche Verknüpfung von Haut, Gewand und Wand.

BETWEEN LIPS ANF FOREHEAD = Im Bereich zwischen Lippen und Stirn befinden sich Augen, Nase, Mund. Das sinnliche Wahrnehmbare – sei es der Geruch des Sägemehls, die Haptik der Baumwollstoffe oder der visuelle Reiz und süsse Geschmack einer reifen Kirsche – leiten als zentrales Thema durch die Ausstellung.

* Hannes Böhringer, “Tradition”, in: einfach, hrsg. von H. Böhringer, H. Hansen, A. Kufus, Berlin: Mever Verlag 2009, S. 92-99

Text: Eva-Maria Knüsel

‘Trees’, acrylic on canvas, 68 x 80cm, 2016, ‘Leaf_1’, acrylic on canvas, 65 x 52 cm, 2016, ‘Leaf_2’, acrylic on canvas, 62 x 50 cm, 2016